Schule ist mehr als PISA
BVRB: PISA nicht zum Maßstab deutscher Bildungspolitik erheben: Die neuen PISA-Ergebnisse zeigen: Eine nachhaltige Trendwende bei den Kompetenzen deutscher Schülerinnen und Schüler ist noch nicht erreicht. Die Ergebnisse dürfen jedoch nicht wieder zu Reform-Aktionismus führen, sondern müssen Anlass sein, genauer hinzusehen und die richtigen Konsequenzen für Schule und Bildungspolitik zu ziehen.

Die neuen PISA-Ergebnisse zeigen: Eine nachhaltige Trendwende bei den Kompetenzen deutscher Schülerinnen und Schüler ist noch nicht erreicht. „Unabhängig von PISA-Punkten und Ranking-Plätzen muss Deutschland seine strukturellen Probleme angehen“, erklärt Ralf Neugschwender, Bundesvorsitzender des Bundesverbands Reale Bildung (BVRB). „Wir brauchen eine Bildungspolitik, die langfristig denkt und sich wieder auf das konzentriert, was Schule leisten muss: junge Menschen mit belastbaren Kompetenzen für ihr weiteres Leben auszustatten.“
Es geht um Menschen, nicht um PISA-Punkte
Der BVRB warnt zugleich davor, PISA zum Maßstab deutscher Bildungspolitik zu erheben. „Das Kardinalproblem an PISA ist die irrige Annahme, Wissen und Erlerntes ließen sich kategorisierbar und messbar machen, um die Ergebnisse anschließend in irgendwelche Kompetenzskalen übertragen und somit vergleichen zu können“, so Neugschwender. „Schulische Bildung beinhaltet viel mehr, als PISA jemals erfassen kann.“
Ob Deutschland im PISA-Ranking besser oder schlechter dasteht, ist aus Sicht des BVRB nicht entscheidend. „Entscheidend ist, dass wir in Deutschland ohne ideologische Scheuklappen hinschauen, welche Faktoren zu guter (Schul)Bildung beitragen und unter welchen Bedingungen Schülerinnen und Schüler besonders gut lernen. Grundvoraussetzung dafür sind und bleiben auch im KI-Zeitalter Menschen: gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, um genau zu sein. Daher muss oberste Priorität deutscher Bildungspolitik die Bekämpfung des Lehrkräftemangels sein“, betont Neugschwender.
Mittlerer Schulabschluss ist kein Abschluss zweiter Klasse
Für den BVRB gehört zu einem leistungsfähigen Bildungssystem auch eine neue Wertschätzung des Mittleren Schulabschlusses. Nicht jeder erfolgreiche Bildungsweg muss zum Abitur führen. Entscheidend ist, dass Jugendliche am Ende ihrer Schulzeit über solide Kompetenzen verfügen und gute Anschlussmöglichkeiten erhalten. „Ein starkes Bildungssystem eröffnet unterschiedliche Wege zum Erfolg“, hebt Neugschwender hervor. „Der Mittlere Schulabschluss ist kein Bildungsabschluss zweiter Klasse. Er ist ein zentraler Baustein für Ausbildung, berufliche Bildung und weitere Bildungswege.“
Der BVRB verbindet diese Forderung mit seinem Leitbild der realen Bildung. „Reale Bildung bedeutet, dass junge Menschen Wissen erwerben, Zusammenhänge verstehen, Probleme lösen und Verantwortung übernehmen können“, so Neugschwender. „Schule muss auf das wirkliche Leben vorbereiten – auf Ausbildung, Beruf, Gesellschaft und die eigene Zukunft.“